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Totenbett

Das Testament von Johann Strauß (Sohn)


Bezirksgericht Wieden, A 417/1899, fol. 14-19; Abschrift vom 6.Juni 1899

Ich Johann Strauß, k. und k. Hofballmusik-Director, Realitätenbesitzer etc. etc. in Wien, IV. Igelgasse Nro.4, wohnhaft, herzoglich Sachsen-Coburg-Gotha´scher Staatsangehöriger, erkläre hiemit nach reiflicher Erwägung meinen letzten Willen, wie folgt:

  1. Ich constatire, daß ich keine pflichttheilsberechtigten Notherben besitze, ferner, daß ich mit Frau Adele Strauß, früher verwitweten Strauß, geborenen Deutsch, vor dem Standesamte in Coburg die Ehe eingegangen habe, nachdem ich von meiner früheren Gattin Ernestine Henriette Angelica Strauß, geborenen Dittrich, durch Beschluß des k.k. Landesgerichtes Wien vom 9. Dezember 1882 von Tisch und Bett rechtskräftig geschieden und diese Ehe mit der genannten Ernestine Henriette Angelica Strauß, geborenen Dittrich, durch die Gnade Seiner Hoheit des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha mittels Decretes vom 11. Juli 1887 aus aus landesherrlicher Machtvollkommenheit auch dem Bande nach getrennt wurde.
  2. Zunächst erkläre ich, daß die ebengenannte Ernestine Henriette Angelica Strauß, geborenen Dittrich, von allen wie immer gearteten Erb-, Fruchtgenuss-, Unterhalts- oder sonstigen Ansprüchen an meinen Nachlaß unbedingt ausschließe.
  3. Ich ernenne zum Erben meines gesammten, wo immer befindlichen und wie immer gearteten Nachlaßvermögens unter den unten folgenden Beschränkungen den Verein: "Gesellschaft der Musikfreunde" in Wien, I. Lothringerstraße Nro. 11 und Künstlergasse Nro. 3.
  4. Dieser mein Erbe ist bei sonstigem Verluste seines Erbrechtes gehalten, die von mir in dem notariellen Schenkungsvertrage de dato Wien, 19. April 1883, errichtet vor dem k.k. Notar Dr. Julius Cölestin Seidl in Wien ad Geschäftszahl 22.347, ferner in dem notariellen Schenkungsvertrage auf den Todesfall de dato Wien, 30. März 1895, errichtet vor dem k.k. Notar Dr. Julius Richter in Wien ad Geschäftszahl 3760, und in dem notariellen Schenkungsvertrage auf de dato Wien, 30. März 1895, errichtet vor dem k.k. Notar Dr. Julius Richter in Wien ad Geschäftszahl 3761, zu Gunsten meiner Gattin Frau Adele Strauß, früher verwitweten Strauß, geborenen Deutsch, rücksichtlich deren Tochter Fräulein Alice Strauß, vollzogenen Schenkungen in Allem und Jedem genau so anzuerkennen und auszuführen, wie diese Schenkungen in den citirten Notariats-Akten von mit vertragsmäßig errichtet wurden.

    Ich räume hiemit meiner lieben Gattin, Frau Adele Strauß, ausdrücklich das Recht auf Sicherstellung der ihr in dem obzitirten notariellen Schenkungsvertrage vom 19. April 1883 Geschäftszahl 22.347 bestellten wittiblichen Rente jährlicher Viertausend Gulden oesterreichischer Währung ein, und ermächtige meinen Testamentsvollstrecker, die Art dieser Sicherstellung sowie der in dem obcitirten notariellen Schenkungsvertrage de dato Wien 30. März, Geschäftszahl 3761 meiner lieben Stieftochter Alice Strauß eingeräumten Sicherstellung der ihr dort für den Fall ihrer Verheiratung bestellten lebenslänglichen Rente jährlicher eintausend Gulden oesterreichischer Währung zu bestimmen und durchzuführen und sind sämmtliche Betheiligte an die diesbezüglichen Verfügungen des Testamentsvollstreckers gebunden.

    Ich legte meinem Erben hiemit überdies die Verpflichtung auf, die von diesen beiden Renten und deren Sicherstellung jeweilig zur Vorschreibung gelangenden Steuern und Gebühren sammt Zuschlägen jeder Art selbst zu bezalen und die etwa von den Rentnerinnen bezalten diesbezüglichen Steuer- und Gebühren beträge sammt Zuschlägen diesen Rentnerinnen zu ersetzen.

  5. Ich anerkenne hiemit, daß alle beweglichen Gegenstände, welche sich in meinem Hauswesen im Hause Orientierungsnummer 4 Igelgasse, IV. Bezirk in Wien, befinden, also Alles, was in diesem Hause nicht erd-, mauer-, niet- und nagelgest ist, das Eingenthum meiner lieben Gattin Frau Adele Strauß bilden, da diese Gegenstände zum Theile von ihr eingebracht und zum anderen Theile ihr von mir successive geschenkt und übergeben wurden.

    Mit Ausnahme meiner Kleidung und Wäsche gehört mir also nichts von diesen Gegenständen in meinen Nachlaß.

    Ich bin überzeugt, daß meine liebe Gattin mit diesen Gegenständen, soweit sie zu Andenken an mich geeignet sind, einen meinen Wünschen entsprechenden Gebrauch machen wird.

    Mein Erbe ist auch gehalten, meiner lieben Gattin wühren des Trauerjahres die unentgeltliche Weiterbenützung unserer Wohnung im Hause No. 4 Igelgasse, IV. Bezirk in Wien zu gestatten.

  6. Diejenigen Nutzungen meiner Verlassenschaft, welche nach Erfüllung aller oben angegeben, meiner lieben Gattin und meiner lieben Stieftochter zugewiesenen Renten und Emolumente, des unten angeordneten Pensionslegates und der Vermögensverwaltungskosten erübrigen, vermache ich zur einen Hälfte meiner Schwester Anna Strauß und zur anderen Hälfte meiner Schwester Therese Strauß für deren respective Lebensdauer.

    Wenn eine oder die andere dieser meiner Schwestern ablebt, so fallen die dadurch freiwerdenden Nutzungen meinen Erben zu. Um Streitigkeiten über das Ausmaß dieser Nutzungen und die Administration meines Vermögens möglichst zu vermeiden, ernenne ich hiemit meinen Testamentsvollstrecker zum Verwalter meines Nachlaßvermögens für so lange, als eine oder die andere meiner beiden genannten Schwestern lebt.

    Das Honorar für die Vermögensverwaltung ist von meinem Verlassenschaftsgericht nach Einvernahme meines Erben, meiner Witwe und meiner Schwestern zu bestimmen.

    Ich erwarte selbstverständlich, daß meine Schwestern dieses Testament in allen Punkten genau beobachten werden; sollte wider Erwarten eine oder die andere meiner Schwestern dieses Testament oder etwa einen oder den anderen meiner obcitirten Schenkungsverträge ganz oder zum Theile anfechten, so ist dieselbe ihres obigen Legates verlustig.

    Wenn ich vorstehend nicht auch meinen lieben Bruder Eduard bedacht habe, so hat dies nur darin seinen Grund, daß er sich in günstigen Lebensverhältnissen befindet.

  7. Ich schließe alle diejenigen Personen, welche nach der gesetzlichen Erbfolge-Ordnung zur Erbfolge in meinen Nachlaß berufen wären, wenn ich kein giltiges Testament hinterließe, von aller Erbfolge in meinen Nachlaß aus, und kann daher die gesetzliche Erbfolge in meinen Nachlaß überhaupt nicht eintreten.
  8. Ich vermache meinem Portier Anton Steindl in Anerkennung seiner langjährigen braven Dienstleistung, wenn er bei meinem Ableben noch in meinen Diensten steht, eine vom Ablaufe des Trauerjahres an beginnende lebenslängliche Pension von derselben Höhe und mit denselben Zalungsmodalitäten, wie dies bei seinem zuletzt bezogenen Geldlohne der Fall war. Eine Sicherstellung dieser Pension findet nicht statt.
  9. Die von meinem Nachlasse zu entrichtenden Gebühren jeder Art, sowie auch die von den obcitirten drei Schenkungen zu entrichtenden, bei meinem Ableben etwa noch nicht gezahlten Gebühren sowie die Verlassenschafts-Passiven und Abhandlungskosten sind aus meinem Nachlasse vorweg zu bezahlen.
  10. Ich ernenne den k.k. Notar Herrn Dr. Julius Richter in Wien zu meinem Testamentsvollstrecker, Abhandlungspfleger und Verlassenschaftsverwalter und beauftrage meinen Erben, ihm die Vollmacht zur Vertretung zu ertheilen.
  11. Ich widerrufe hiemit jede von mir früher errichtet Verfügung irgendwelcher Art, und soll jede bei meinem Ableben etwa sich vorfindende letztwillige Verfügung, welche ein frühreres Datum als das heutige oder gar kein Datum hat, ungiltig sein.

    Es können daher neben diesem Testamente nur solche letztwillige Verfügungen zu Recht bestehen, welche ein späteres Datum als das heutige Datum ausweisen.

    Urkund dessen habe ich dieses Testament, nachdem mir dasselbe in der ununterbrochenen gleichzeitigen Gegenwart der unterfertigten drei ersuchten Zeugen des letzten Willen von einem derselben unter Einsichtnahme der beiden anderen Zeugen laut, klar und deutlich vorgelesen wurde, in der ununterbrochen fortgesetzten gleichzeitigen Gegenwart dieser drei Zeugen als meinen wahren und ernsten letzten Willen ausdrücklich anerkannt, eigenhändig gefertigt und von den drei Zeugen mitfertigen lassen.

    Wien, am dreissigsten Maerz Eintausend achthundert neunzig fünf.

      Johann Strauß
      Ludwig Hackmüller als ersuchter Zeuge des letzten Willens
      Carl Eckert als ersuchter Zeuge des letzten Willens
      Johann Gratl als ersuchter Zeuge des letzten Willens

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