EJSF
Tanz Signale

Informationen zum Werkstattkonzert

Freitag 19. März 2010, 19:00
Großer Hörsaal des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien
Universitätscampus Altes AKH / Hof IX
Eingang: Wien 9, Garnisongasse 13

Musik von Strauss und Lanner, wie sie heute nicht mehr erklingt

– ein Streichquintett, dessen Besetzung Johann Strauss (Vater) und Joseph Lanner erfunden hatten;
– Vortragsanweisungen nach den Interpretationen von Johann Strauss (Sohn).

Tanzmusik im Arrangement für zwei oder drei Violinen und Bass stellte im 19. Jahrhundert eine dankbare Alternative zu Aufführungen mit Orchester dar, wenn Kosten gespart werden mussten oder in kleinen Räumen gespielt wurde. Diese Besetzung war so beliebt, dass zahlreiche Bearbeitungen im Druck erschienen. Heute erinnert man sich bereits wieder dieser Aufführungspraxis.

Nahezu unbekannt ist jedoch die Erweiterung dieser Besetzung durch eine Bratsche. In der Musiksammlung der Wienbibliothek sind solche Viola-Stimmen überliefert. Sie stammen aus der Zeit, als Johann Strauss (Vater) Mitglied der Lanner-Kapelle war und Bratsche spielte. Diese Viola-Stimmen waren keineswegs als Ersatz für die dritte Begleitung spielende Violine oder als weitere Begleitstimme konzipiert, sondern sie beinhalten über die Begleitfunktion hinausgehend durchaus auch Gegenstimmen zur Hauptmelodie oder sogar solistische Passagen, wie sie in späterer Zeit dem Violoncello anvertraut wurden. Abschnittweise wurden die Stimmen der Flöte, der Klarinetten und des Fagotts in diesen Viola-Stimmen zusammengefasst. Gespielt wurden sie bei Aufführungen in Quartett- oder Quintett-Besetzung, das heißt zu den zwei oder drei Violinen und dem Kontrabass kam diese Viola-Stimme hinzu.

Die Vortragsanweisungen in den Kompositionen von Johann Strauss (Sohn), entstanden in den ersten drei Jahrzehnten seines Schaffens, sind im bekannten Notentext nur spärlich festgehalten, – Strauss wusste schließlich wie er seine eigenen Werke vorzutragen hatte, damit sie beim Publikum ankamen. Es war gewissermaßen sein Betriebsgeheimnis. Tonaufzeichnungen gab es noch nicht, lediglich Berichte in Tageszeitungen und Briefen.

Umso wertvoller ist gedrucktes und handschriftlich überliefertes Quellenmaterial, welches eindeutig Strauss’ Interpretationsvorstellungen festhält, welche die jeweiligen Kompositionen absolut neu erklingen lassen.

Anlässlich Strauss’ Konzerttätigkeit in Mailand 1874 veröffentlichte der Mailänder Verlag Ricordi eine Neuausgabe der Tritsch-Tratsch-Polka, die Vortragsanweisungen enthält, die laut Titelseite Strauss’ Interpretation der Polka bei diesen Konzerten überliefern.

Ein anderes Beispiel: Vor etwa einem Jahr erwarb die Wienbibliothek ein Albumblatt in der Handschrift von Johann Strauss (Sohn), auf dem dessen berühmte Annen-Polka im Klaviersatz notiert ist. Strauss hatte dieses Blatt einer noch unbekannten Person gewidmet. Das besondere daran sind Vortragsanweisungen von Strauss selbst, die in keiner anderen Quelle überliefert sind.

Norbert Rubey

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