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Strauß oder Strauss ?Die Schreibweise des Familiennamens der Wiener Strauss-Dynastie ist offenbar Gegenstand heftiger Diskussionen und häufiger Fragen. Daher eine Aufklärung: Auf den meisten historischen Plakaten und auf den meisten (Erst)-Druckausgaben der Kompositionen der Musiker der Familie findet man die Schreibweise Strauss. Johann Strauss Vater und Sohn unterschrieben sich mit zwei „s“, die in der damals gebräuchlichen geschriebenen Kurrentschrift am Wortende zwei verschiedene Zeichen waren und später, vor allem in der Druckschrift zu einem Buchstaben, dem „scharfen s“ verschmolzen wurden.Wesentlich ist aber nicht wie der Name in der Druckschrift transkribiert wurde, sondern doch wohl wie sich die Namensträger selbst geschrieben haben und sich schreiben ließen! Josef Strauss schrieb sich mit „ss“. Auf allen von der Familie beeinflussten Grabinsschriften auf den Ehrengräbern des Wiener Zentralfriedhofs wird der Name mit ss geschrieben! Gleiches gilt von den Grabinschriften der Familiengräber auf dem Friedhof in Grinzing. Beim Grab in Hietzing ist die Schreibweise der Schreibschrift beibehalten. Mein Urgroßvater Eduard Strauss (unter)schrieb sich als einziger (!) mit dem Vorläufer des heutigen „ß“. Bereits ab der Generation meines Vaters Eduard Strauss (1910 -1969; siehe Stammbaum) wird unser Familienname in allen maschinschriftlichen amtlichen Urkunden mit „ss“ geschrieben. Ich besitze aber auch einen „Auszug aus der Heimatrolle“ meines Vaters in schöner Kurrenthandschrift mit "langem und runden s"! Die Namensträger der Familie schreiben sich heute also nach den amtlichen Urkunden mit „ss“. Die Strauss-Gesellschaften und Vereine in aller Welt bedienen sich auch wegen der internationalen Lesbarkeit schon längst dieser Schreibweise. Dr. Michael Lorenz teilte uns dazu, mit, dass die These wonach Johann Strauss Vater 'ein "langes" und ein "rundes" "s"' und Johann Strauss Sohn ein schlampiges "langes s"' in ihrem Namenszug verwendeten philologisch nicht haltbar ist: Das h-förmige Zeichen das in der Schreibschrift vor dem s steht
ist kein "langes S", sondern das alte Duplikationszeichen
der Kurrentschrift, das vor den Konsonanten s, m, n und l verwendet werden
konnte. Im späten 19. Jhdt. sei dieses Zeichen - so Lorenz - schon
in Vergessenheit geraten, was zu vielen falschen Namenstranskriptionen
(wie z.B. "Weihs", "Muhm", "Niehsner" etc.)
geführt habe. In Leopold Mozarts Briefen komme dieses Verdopplungszeichen
oft vor und sei in der Edition auch immer falsch transkribiert ("genohmen"
statt "genommen"), weil die Herausgeber keine Schriftexperten
gewesen seien. Aus dem Jahr 1768:
"gleichfalls" 1768:
F. J. Freystädtlers Schreibung des Worts "Massa" im Jahr 1819:
Die Signatur des Erfinders Ignaz Meissner von 1832:
Das sei kein scharfes s, es sei nur als solches missverstanden worden. Johann Strauss Vater habe seinen Namen somit mit zwei s geschrieben: und sein Sohn Johann ebenfalls:
Hier könne keine Rede von einem "schlampigen s" sein. Es handele sich um ein ganz normales altes Doppel-s. Wir nehmen diese Mitteilung als nützliche Bereicherung dankend zur Kenntnis. Hier auch noch ein Beweis aus der Druckschrift: Auf dem Titelblatt der Klavierausgabe des Walzers "Das Leben ein Tanz oder Der Tanz ein Leben" von Johann Strauss Vater aus dem Jahr 1831 findet sich in Druckschrift der Vermerk, dass Tobias Haslinger am Graben Sparkasse Nr 572 situiert ist. Im Wort Sparkasse wird das Verdopplungszeichen verwendet. Niemand hat je Sparkasse mit ß geschrieben!
Der Name der Wiener Familie Strauss ist mit Doppel-s zu schreiben! Dr. Eduard Strauss |