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  • Radetzky-Marsch – Urfassung
    von Norbert Rubey

    Johann Strauss (Vater), Radetzky-Marsch, op. 228

    Link zur Entstehungsgeschichte.

     

    1999 entdeckte ich in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek (heute: Wienbibliothek im Rathaus) die früheste Quelle zum „Radetzy-Marsch“, nämlich eine handschriftliche Partitur, die dem Erstverleger, Tobias Haslinger’s Witwe  & Sohn in Wien, den Eintragungen des Notenstechers zufolge als Vorlage für die in diesem Verlag im Jahr 1848 erscheinenden Ausgaben diente. Unter dem Titel, „Druckvorlage und Urfassung des Radetzky-Marsches entdeckt“, berichtete ich ausführlich darüber, in: „Die Fledermaus“, Mitteilungen 11-13 des Wiener Instituts für Strauss-Forschung, verlegt bei Hans Schneider, Tutzing 2000, S. 221.

     

    Diese „Urfassung“ veröffentlichte ich 2004 im Wiener Musikverlag Doblinger in Partitur und Stimmen (Diletto Musicale DM 1378). Beides ist auch heute noch käuflich zu erwerben:

     

    https://www.doblinger.at/de/Artikel/Radetzky-Marsch-op-228-Urfassung-DM-01378-PA.htm

     

    https://www.doblinger.at/de/Artikel/Radetzky-Marsch-op-228-Urfassung-DM-01378-SET.htm

     

    Die „Urfassung“ unterscheidet sich von den zahlreichen allgemein gespielten Versionen, woher auch immer diese stammen, vor allem durch eine faszinierend transparente, schlankere aber trotzdem voll klingende Instrumentierung. Insbesondere verzichtet Johann Strauss (Vater) auf den Einsatz des Beckens, eine für ihn charakteristische Instrumentationsauffassung, auf die Philipp Fahrbach sen. in seinem Aufsatz „Geschichte der Tanzmusik seit 25 Jahren“ bereits 1847 hingewiesen hatte, „dass Strauss die Becken (Teller-Cinellen) fast gänzlich verwarf“ (in: „Wiener allgemeine Musik-Zeitung“, 20.-25. März 1847; Nachdruck in: „Die Fledermaus“, Mitteilungen 2 des Wiener Instituts für Strauss-Forschung, Eigenverlag, Wien 1990, S. 13). Über die melodischen Abweichungen im Trio berichtete ich in meinem Artikel „Druckvorlage und Urfassung des Radetzky-Marsches entdeckt“ (s. o.). Außerdem werden in dieser bei Doblinger erschienenen Ausgabe die vielen in der zeitgenössischen Druckvorlage benützten verschiedenen „Faulenzer“ in den Begleitstimmen erstmals korrekt in den ausgeschriebenen Notentext umgesetzt, – enthielten doch bereits die Abschriften und Druckausgaben des Verlags Haslinger zahlreiche Übertragungsfehler. Die Rekonstruktion zeigt eine an der Bass- und Melodieführung orientierte, rhythmisch sehr nuancierte, entfesselt zündende nachschlagende Begleitung, wie sie sonst unbekannt ist.