• Ankündigungen
  • Ankündigung

    Nach den Tanz-Signalen 2019 ist vor den Tanz-Signalen 2020!

    Save the Date Tanz-Signale 2020:

    Donnerstag 12. bis Sonntag 15. März 2020

     

     

    Tanz-Signale 2019:

    Donnerstag 14. bis Sonntag 17. März 2019

    Das diesjährige Thema lautet:

    Zur Geburt der Wiener Operette:
    Musikalische und historische Wurzeln.
    Heute – Reminiszenz oder Aktualität?

    Vor 200 Jahren erblickten Jacques Offenbach und Franz von Suppè das Licht der Welt, – Anlass genug, die Anfänge eines musikalischen Unterhaltungstheaters zu studieren, das als Wiener Operette in die Musikgeschichte einging, sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Die Wiener Operette entwickelte sich als Kontrapunkt zur Offenbach-Rezeption in Wien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wesentliche Gestaltungsmerkmale von Offenbachs Werken, komponiert für ein Pariser Publikum, sind Parodie, Satire und Groteske, gewürzt mit einem Schuss prickelnder Erotik bis hin zu deftiger Frivolität.

     

    Wiewohl in Wien zunächst gut angenommen, fanden diese Ingredienzien auf Dauer nicht die Zustimmung von Publikum und Presse. Zwar bewegten sich die ersten Wiener Erzeugnisse im Fahrwasser Offenbachs, doch verlangten die Wiener bald nach einer aus ihrer Theatertradition heraus entwickelten eigenständigen Operette. Sich auf die Alt-Wiener Volkskomödie besinnend, gegenüber dem „Fremden“ das „Vaterländische“ bevorzugend, den Wiener Walzer markant integrierend, dem mit der Gründerzeit aufstrebenden Großbürgertum Rechnung tragend, rauschte endlich mit der ersten Operette von Johann Strauss (Sohn), Indigo und die vierzig Räuber, Erleichterung durch den medialen Blätterwald: „Strauss ist ohne Wien ebenso undenkbar, als Wien ohne Strauss“ (Premierenkritik von Ludwig Speidel, in: „Fremden-Blatt“, 12. 2. 1871). Adolph Müller sen., Carl Binder zusammen mit Johann Nestroy, Franz von Suppè, Carl Millöcker und insbesondere Richard Genée waren Strauss’ bedeutendste Wegbereiter.

     

    Oft totgesagt, lebt die Gattung immer noch. Welche Werke stehen auf den Spielplänen der Theater? Lässt sich damaliger Zeitbezug in unser heutiges Leben transferieren? Erscheinen Werktreue und Respekt vor der Intention der Autoren und deren Umsetzung erstrebenswert? Aus solchen Fragestellungen resultiert als ehrgeiziges Ziel, Operette zeitgemäß aber authentisch auf die Bühne zu bringen, – ein Vorhaben das ohne exzellente Kenntnis historischer Wurzeln und der Werke selbst nicht zu bewältigen ist. Doch die Welt blickt nach Wien, pilgert nach Österreich um hier Wiener Operette entstaubt und entschlackt vom Kitsch vergangener Jahrzehnte zu erleben. Werden wir diesen Erwartungen gerecht?

    Norbert Rubey