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  • Radetzky-Marsch – Entstehung
    von Norbert Rubey

    Johann Strauss (Vater), Radetzky-Marsch, op. 228

     

    In mehreren Schlachten hatte Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky von Radetz, wie sein vollständiger Name lautet, die italienische nationale Revolution 1848 niedergeschlagen. Nach den Siegen in den Schlachten bei Santa Lucia (6. Mai), Vicenza (10. Juni) und Custozza (22. Bis 26. Juli) wurde am 31. August 1848 in Wien auf dem Wasser-Glacis ein großes „Siegesfest zu Ehren der tapferen Armee in Italien und zur Unterstützung der verwundeten Krieger“ veranstaltet. Dabei führte Johann Strauss (Vater) mit seinem Orchester den für diesen Anlass komponierten „Radetzky-Marsch“ auf, „zu Ehren des grossen Feldherrn […] und der k. k. Armee gewidmet“, wie auf der Titelseite der Klavierausgabe zu lesen ist, die zudem das von einem Lorbeerkranz und kriegerischen Symbolen umrahmte Brustbild Radetzkys zeigt.

     

    Das zweitaktige Kopfmotiv des ersten Marsch-Themas stammt aus der kroatischen Militärmusik. Dies ist kein Zufall, wurde doch das Husarenregiment Nr. 5 – dessen Inhaber Radetzky von 1809 bis 1814 und dann von 1848 bis zu seinem Tod 1858 war – im Jahr 1798 in Varaždin in Kroation durch die Zusammenlegung mehrerer Regimenter aufgestellt. Strauss hatte dieses populäre musikalische Motiv bereits zuvor in zwei aus einem militärischen Anlass entstandenen Kompositionen zitiert, im „Lust-Lager-Walzer“, op. 18, und in der „Jubel-Quadrille“, op. 130.

     

    Im „Radetzky-Marsch“ finden sich auch zwei alte Wiener Volksweisen: im Marsch-Teil der seit der Revolution 1848 überall gesungene Gassenhauer, „Mein Kind, mein Kind, ich bin Dir gut, ich schwör ’s auf meinen Federhut“, und im Trio, ein angeblich aus dem Jahr 1845 stammender Tanz, den Eduard Kremser im zweiten Band der von ihm herausgegebenen „Wiener Lieder und Tänze“, Wien 1913, S. 218, überlieferte.

    Link zur Urfassung.